Biografie

Jan Cornelius (Jahrgang 1953) lebt als pensionierter Lehrer sowie als Autor und Interpret plattdeutscher Lieder in Leer/Ostfriesland. Er gilt als der ostfriesische Liedermacher schlechthin und kann auf mehr als 40 Bühnenjahre im plattdeutschen Genre zurückblicken.

Über seine musikalischen Anfänge berichtete Jan Cornelius auf einer Bad Bevensen Tagung:

Ja, ik harr wall van lüttjet of an, wat mit Musik to doon hat. As Kind van Jahr of sess hebb ik sogar dat Fleiten lehrt, tosamen mit Wanda. Wat was de moij, wat harr de engelglieke blonne Haaren un so fiene Fingers mit de se all de Locken van de „Blockflöte“ versluten kunn. En Aarigkeit för mien Ohren. – Un wat muss Wanda sük van mi anhören?   Van wegen „himmlische Töne“, ik kunn mien Fingers noch so bugen, noit wull de Düwels-Fleit so as ik. – Ut Wanda un mi is denn ok nix worden.
Denn sull ik för Nood Klaveer spölen leern. Ik kwam ja ut en Mesterhuushollen, van wegen „Bildungsbürgertum“ un so. Hett ok nix nützt.
„Ja, wat wullt du denn nu, mien Jung?“, frog Vader eenes Daags, as ik so twalv of dartein was. En Gitaar sull`t denn wesen na mien Dünken. De kreeg ik ok, to Wiehnachten, en „Framus, mit gewölbtem Boden und Perlonsaiten für den klassischen Gitarristen“ – Dat was neet so`n Bliedskupp an de hillig Abend. Ik, de wat van Beatles un Rolling Stones hollen de, satt dor nu mit en klassische Gitaar „mit gewölbtem Boden und Perlonsaiten“, en Plückfiedel so to seggen. Un dor sull ik nu „I can get no Satisfaction“ up spölen?
En vördel Jahr hebb ik Gitarrenunnerricht over mi daal gahn laten, denn weer dat so wied: De „Gummisieden“ – as ik de nömen de –flogen van de Gitaar off un Stahlsieden wurrn uptrucken un denn kunn dat los gahn mit dat, wat ik egentlich wull: „Beat-Musik“ heetde dat domals ja.
Mien Lehrmeisters wurrn dat Radio un en Tonband. Ik weet neet wo faken ik de enkelte Upnahmen Stück för Stück hört hebb, för dat ik en Titel spölen kunn. Man ik was taai un hebb dat rutkregen.  – In d` School leep dat dotieds neet so best mit mi … – Un so gung dat wieder: Mien eesrste Elektrogitaar van Hertie in Osnabrück (dor wohnde mien Oma un de harr de „sponsert“), de eerste Band „The Crew“ (mien Verstärker was en olle Röhrenradio), dat eerste Uptreden bi en Karkenfreeitied, de eerste Leefde un denn mien eerste „Song“, för „hör“ natürelk un up engels, so as sük dat hören de: Oh, you look so nice and sweet. / You are the only girl I need. / You will be my only friend. / Our love will never end.

Als Kind der 60er Jahre machte Jan Cornelius seine ersten musikalischen Gehversuche also im Bereich der sogenannten Beat-Musik. Erste öffentliche Auftritte folgten als Mitglied einer studentischen Skiffle-Band. Über diesen „Umweg“ entdeckte er seine Vorliebe für akustische, handgemachte Musik, die bis heute anhält.
Bedingt durch sein Germanistik-Studium kam bei Jan Cornelius (besonders ausgelöst durch Thomas Manns „Buddenbrooks“) eine Bewusstwerdung seiner plattdeutschen Sprachwurzeln zustande, die dazu führte, dass er sich als Musiker mit dem entsprechenden Liedgut auseinandersetzte und gemeinsam mit seinem Bruder 1977 das plattdeutsche Gesangs-Duo Jan & Jürn gründete. Vier Langspielplatten entstanden und im Rahmen des „Folk Revivals“ der 70er Jahre gab es unzählige Auftritte im gesamten deutschsprachigen Raum.
1984 beendete Jan Cornelius die Zusammenarbeit mit seinem Bruder und arbeitete fortan als Solist. Vorher veröffentlichte er 1982 schon den Gedichtband „Achter mien Ogen“. Von 1986 bis 1988 folgte ein Auslandsaufenthalt. Gerade diese Zeit außerhalb seines angestammten Kulturraumes veranlasste Jan Cornelius verstärkt eigene plattdeutsche Lieder zu schreiben, die zur Veröffentlichung der 1990 erschienen CD „Neije Mörgen“ führte.
Großen Einfluss übte die renommierte niederdeutsche Lyrikerin Greta Schoon auf Jan Cornelius aus. 1992 brachte er die CD „En Vögelfeer“ mit Vertonungen von sechzehn ihrer Gedichte heraus.
Mit seiner 1994 erschienen CD „Tiedenloop“, die nur von ihm geschriebene Texte und Melodien beinhaltete, entwickelte Jan Cornelius gemeinsam mit seinem kongenialen Gitarristen Klaus Hagemann endgültig seinen eigenen unverkennbaren Stil.
Parallel zu seiner Arbeit im „ernsten“ Bereich widmete sich Jan Cornelius Anfang/Mitte der 90er Jahre verstärkt dem plattdeutschen Kinderlied, dem er entscheidende Impulse gab. Besonders für diese Arbeit erhielt er 1993 den Bad Bevensen-Preis. Mit dem Liederheft und dazugehöriger CD „Kandidel“, die 1996 erschien, dokumentierte Jan Cornelius diese Phase seines Schaffens eindrucksvoll.
Dass er kein musikalischer Einzelgänger ist, bewies Jan Cornelius mit seiner fünften CD-Veröffentlichung „Windgesang“ 1997. Gemeinsam mit der Folkgruppe Laway setzte er in einem Konzeptalbum seine Idee einer plattdeutschen Liedsammlung zum Thema Windmühlen um. Neben historischem Material stehen hier eigene Lieder oder Vertonungen niederdeutscher Autoren. Die Musiker von Laway unterstützten Jan Cornelius auch bei seiner nächsten, 1998 erschienenen CD „Töverland“, auf der wieder nur eigene Texte und Melodien aus seiner Feder zu finden sind.
Bei der im Jahr 2001 veröffentlichten CD „Waterdanz“ kam es nach über 15 Jahren zu einer erneuten Zusammenarbeit mit seinem Bruder Jürn, der als Tontechniker die Aufnahmen machte und neben Jan Cornelius’ ständigem Begleiter Klaus Hagemann als Gastmusiker mitwirkte. Zu einem längerfristigen Zusammenwirken der Brüder führte das aber nicht.
Es folgten die Alben „Wulkenkieker“ (2003) und „Spegelbiller“ (2005), bei denen zahlreiche Musiker aus der Region die Texte und Melodien von Jan Cornelius mitgestalteten.
Mit dem Album „Dreeklang“ (2007) begann eine neue musikalische Ära. Die Cellistin Christa Ehrig gesellte sich zu Jan Cornelius und seinem langjährigen Gitarristen Klaus Hagemann. Das sog. „Dreeklang Ensemble“ entstand, mit dem Jan Cornelius bis heute seine Auftritte macht und auch die CDs „Barnsteen“ (2010), „Spöölwark“ (2013) und „Sün un Swaarweer“ (2015) einspielte. Letztere ist eine Hommage an die niederdeutsche Schriftstellerin Wilhelmine Siefkes und enthält siebzehn vertonte Gedichte der Leeranerin.

Mit „Musikgeschichten“ legt Jan Cornelius im Jahr 2019 ein Liederbuch mit 100 seiner Werke vor, das er in einem Zeitraum von drei Jahren gemeinsam mit Gerold Meinen erarbeitet hat. Neben den Texten, Noten und Akkorden sind in diesem Buch auch Anmerkungen zur Entstehung der Lieder und einige „Anekdoten“ aus dem langen Musikerleben von Jan Cornelius zu finden.